Historie

Schützen in Gleuel, früher und heute

Ein Schützenwesen hat es in Gleuel schon lange gegeben. Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Gleuel existierte schon im Mittelalter und wurde bereits um 1720 in einer Urkunde als uralt bezeichnet. Ursprünglich hatten die Bruderschaften sicher einen anderen Sinn als Pflege der Traditionen, Schießsport und geselliges Beisammensein. In diesen damals oft unsicheren Zeiten galt es vielmehr Leben und Eigentum der Gemeinschaft zu schützen, was natürlich nur möglich war, wenn man sich zusammentat.

Von sportlichem Wettstreit in der alten Bruderschaft legt die wertvolle Königskette Zeugnis ab, die sich heute im Besitz der Pfarre St. Dionysius befindet. Einmal im Jahr, zur Fronleichnams-Prozession, trägt heute der älteste Schütze der Gesellschaft diese Kette.

Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft feierte im Jahre 1895 ihr letztes Schützenfest, danach trat sie nicht mehr in Erscheinung. Die Gründe hierfür sind heute wohl kaum mehr in Erfahrung zu bringen.

Was nun der Stein des Anstoßes für die Neugründung einer Schützengesellschaft in Gleuel war, ist heute nicht mehr mit letzter Bestimmtheit zu sagen, da keiner der Gründer mehr am Leben ist. Ein Enkel von Heinrich Gleß, dem ersten Vorsitzenden der Gesellschaft nach ihrer Gründung, kann hier helfen. Theo Strang von der St. Hubertus Bruderschaft in Berrenrath weiß, dass sein Großvater einen gesellschaftlichen Mittelpunkt in Gleuel schaffen wollte, zu dem alle Gleueler Bürger, gleich welcher Konfession, Zutritt hatten.

Der Ur-Fassung der Satzungen der Gesellschaft als auch den ersten Protokollen ist zu entnehmen, dass die Gründungsmitglieder mit dem Schützenwesen recht gut vertraut waren. Da Herr Heinrich Gleß aus Bachem stammte, kamen seine Erfahrungen möglicherweise von der dortigen St. Mauritius Schützenbruderschaft. Satzungsgemäßes Ziel der Gesellschaft war.


1. Die Mitglieder zu belehren und zu fördern und zwar

a) durch Übung in der Handhabung der Waffen, besonders durch Vogel-, Stern- und Scheibenschießen

b) durch Pflege des Bürger- und Gemeinsinnes und der Vaterlandsliebe

2. Sammelpunkt für den geselligen Verkehr der Mitglieder zu bilden.

Gegründet wurde die Gesellschaft im August 1911 von 14 Mitgliedern. Im Januar 1912 wurde noch ein weiteres Mitglied gewonnen. Eine Vereinsbüchse war von Anfang an vorhanden, womit Ordens- und Preisvögel und natürlich auch der Königsvogel geschossen wurde. Erster Schützenkönig der Gesellschaft wurde im Jahre 1912 Kaspar Königsfeld. Obwohl zahlenmäßig nicht sehr stark, besuchte die Gesellschaft im Jahre 1913 doch bereits 13 auswärtige Schützenfeste, man fuhr bis Rodenkirchen und Senrath, und das mit Pferd und Wagen. Wer an einem Pflichtfest ohne triftigen Grund nicht teilnahm, wurde mit einer empfindlichen Strafe belegt.

Durch den ersten Weltkrieg erfuhr das Schützenleben eine Unterbrechung, es lebte jedoch danach schnell wieder auf, was durch den Orden von Ludwig Moritz, an der Königskette aus dem Jahre 1919, belegt ist. Bis zum Jahre 1927 stieg die Mitgliederzahl auf 49 an. Die Gründungsmitglieder waren alle ihrem Verein treu geblieben. Trotz Weltwirtschaftskrise gedieh das Vereinsleben prächtig, selbst im lnflationsjahr 1923 wurden zwei Neuzugänge verzeichnet, darunter Johann Ostermann, nach dem 2. Weltkrieg 1. Vorsitzender der Gesellschaft. Die Mitgliederzahl erfuhr im Jahre 1938 nochmals einen Anstieg durch Übernahme des Schießclubs Aldenrath.

1939 wurde das Vereinsgeschehen erneut durch einen schlimmen Krieg unterbrochen, aus dem 2 Schützen nicht zurückkehrten. Im Januar 1940 waren bereits 7 Schützen Soldat, ab Mai des gleichen Jahres wurden auch keine Versammlungen mehr abgehalten. Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es zwar etwas länger als nach dem 1. Weltkrieg, aber im Jahre 1949 hatte Gleuel wieder einen Schützenkönig. Matthias Esser, unser heutiger Ehrenkommandant. Ihm war es vergönnt, als erster die Schützenkette zu tragen, die vom König des Jahres 1939, Johann Kiefernagel, vorsorglich eingemauert, den Krieg und die Nachkriegswirren überdauert hatte.

Die Besatzungsmächte betrachteten Schützenvereine zunächst als paramilitärische Organisationen und verboten sie. Nicht verboten waren Bruderschaften als kirchliche Instanzen. Um den Schießsport ausüben zu können wurde die Gesellschaft deshalb vorübergehend zur Bruderschaft. Nach der Zulassung von Schützengesellschaften wurde der alte Status wiederhergestellt.

Die Zeit der „Donnerbüchsen“ war zu Ende. Nach dem Krieg wurde mit der Armbrust begonnen. Heute wird ausschließlich mit Luftgewehr, Luftpistole und Kleinkalibergewehr geschossen. Als Mitglied des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften,im Bezirksverband Frechen, beteiligen wir uns heute nicht nur an den traditionellen Schießwettbewerben bei Schützenfesten, sondern auch am Sportschießen in Form der Rundenwettkämpfe und der Meisterschaft unseres Bezirksverbandes, seit Jahren mit drei Mannschaften. Unser Ziel ist es heute dem Rheinischen Schützenbund beizutreten und damit unsere sportlichen Aktivitäten zu verstärken.

Die Gesellschaft hat heute auf einem vom ehemaligen Präsidenten Josef Mertens erworbenem Grundstück eine dauerhafte Bleibe erhalten. Verglichen mit den hervorragenden Anlagen mancher befreundeter Vereine wirkt bei uns sicher manches noch etwas bescheiden. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir jedoch das Beste daraus machen, damit sich sowohl unsere Mitglieder als auch unsere Gäste bei uns Wohlfühlen.

Gleuel hat ein reges Vereinsleben. Bereits vor über mehreren Jahrzehnten wurde eine Ortsgemeinschaft gegründet, in der die Schützengesellschaft seit Anbeginn Mitglied ist. Das gleiche gilt für den später gegründeten Festausschuss der Ortsgemeinschaft.

Vor einigen Jahren veranstalteten wir Anfang September ein Volksschießen mit dem Ziel, für unseren Sport und unsere Gesellschaft zu werben. In der heutigen Zeit findet dieses Volksschießen am Vatertag statt. Wir möchten allen Gleueler Bürgern und Jugendlichen eine Gelegenheit bieten, auf unserem Schießstand ihr Können zu erproben und etwas im persönlichen Gespräch über unsere Gesellschaft in Erfahrung zu bringen. Wir würden uns sehr freuen, wenn einige Besucher danach den Entschluss fassen würden, unserer Gesellschaft beizutreten und an unserem Sport teilzunehmen.

Neue Schützenschwestern sind bei uns ebenso willkommen wie neue Schützenbrüder!





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